Grundschul-Liebe | Kommentare: 2

Die Buchstabenerarbeitung - Ideen für den Buchstabentag

 

In diesem Schuljahr darf ich zum ersten Mal eine 1. Klasse unterrichten und ich hab mich schon sehr darauf gefreut, denn in meinem ersten Dienstjahr habe ich die ersten paar Wochen des Schuljahres als Zweitlehrerin in einer 1. Klasse verbracht und mir sehr viele Ideen mitgenommen, bei denen ich es kaum erwarten konnte sie selbst umzusetzen. Nun ist es endlich soweit und ich möchte ein paar dieser Ideen für die Buchstabenerarbeitung mit euch teilen. Das meiste ist bestimmt nichts Neues, gerade für LehrerInnnen, die schon ein paar Jahre mehr als ich auf dem Buckel haben, dennoch möchte ich euch hier einen kleinen Einblick geben, wie ich mit meinen Kindern arbeite.

 

Im Grunde läuft es immer sehr ähnlich ab, sodass die Kinder eine richtige Routine in der Buchstabenerarbeitung bekommen haben. Dreh ich einmal ein bisschen was um, kommt schon die Fragen „Wann machen wir denn…?“ „Machen wir morgen wieder…?“. Ich persönlich finde diese Routine ganz angenehm und es gibt den Kindern ein Gefühl der Sicherheit, denn auch wenn der Buchstabe neu ist – das können sie ja schon, sie haben es ja schon gemacht.

Montag – Ein neuer Buchstabe wird eingeführt

Wir starten immer mit einem neuen Buchstaben in die Woche. Manchmal mache ich es anhand eines Rätsels, bei dem die Kinder zum Beispiel erraten sollen, welchen Anfangsbuchstaben die Dinge gemeinsam haben. Andere Male frage ich einfach, ob sie eine Idee haben, welcher Buchstabe als nächstes kommt.

 

„Wer weiß denn schon wie dieser Buchstabe aussieht?“ Der Buchstabe wird zunächst dann einmal von einem Kind in die Luft geschrieben.  Dann schreibe ich ihn für alle Kinder an der Tafel vor und zeige ihnen worauf sie achten sollen und Fehlerquellen (zu lange/kurze Striche, zu große Bögen, fehlende Spitzen etc.) die wir vermeiden möchten. Gemeinsam schreiben wir den Buchstaben dann in die Luft.

Im Anschluss wird auch die Lautgebärde eingeführt, die bei unserer Fibel „Frohes Lernen“ mit dabei ist. Das kombiniere ich dann immer gleich mit einer „Leseübung“, indem ich einige Wörter in den Gebärden „schreiben“ und die Kinder es anhand dieser erlesen müssen. Es macht ihnen ungeheuer viel Spaß und man sieht wie sie die einzelnen Buchstaben, die ich zeige, mit dem Mund mitformen und leise aussprechen, um das Wort zusammenzulauten. Das Wort Mami sieht dann zB. so aus:

Erst dann beginnen wir damit den Buchstaben im Buch zu üben. Die Kinder machen nach kurzer Erklärung die Übungen im Buch selbstständig und in ihrem eigenen Tempo. Sie bekommen dafür die restliche Stunde Zeit. Wenn sie fertig sind, lesen sie leise in ihrer Lesemappe. Diese Zeit nutze ich dann, um mir von einzelnen Kindern ein paar Zeilen vorlesen zu lassen, um zu sehen, wie gut das Lesen funktioniert und wer noch mehr Übung braucht.

Dienstag – Unsere Buchstabenstationen

Der Dienstag ist mit ziemlicher Sicherheit der liebste Buchstabentag der meisten Kinder, denn da dürfen sie den neuen Buchstaben an Stationen üben. Die Doppelstunde Deutsch lässt nämlich viel Spielraum für das spielerische Arbeiten. Aber „zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen“, denn bevor sie mit den spielerischen Übungen beginnen ist unser Buchstabenheft dran. Auch hier wissen die Kinder schon genau, was sie machen müssen, da die Übungen immer gleich sind. Ich gebe euch einmal einen kleinen Einblick:

Die erste Seite im Heft ist, wie auch das Deckblatt, das Buchstaben-Ausmalbild von Janina malt die Welt. Hier suchen die Kinder (nur auf der ersten Seite, nicht am Deckblatt) immer den neu gelernten Buchstaben und malen ihn aus, sodass sie schon auf den ersten Blick sehen können, wie viele Buchstaben sie schon gelernt haben.

Danach geht es auf der entsprechenden Doppelseite zum Buchstaben weiter. Ich bereite diese Doppelseite immer schon für die Kinder vor, damit es auch ordentlich ist und nicht so viel Zeit für das Einkleben verloren geht. Zuerst arbeiten die Kinder an einem Buchstabensuchbild. Hier nutze ich zum einen die Buchstabenbilder von Frau F aus W, aber auch die schönen Bilder vom Lernbieneverlag. Darunter befindet sich ein Lautsuchbild, bei dem die Kinder alle Dinge anmalen sollen, in denen der entsprechende Buchstabe vorkommt. Da nutze ich gerne die Lautsuchbilder vom Zaubereinmaleins. Und zum Schluss spuren die Kinder den neuen Buchstaben in fünf Farben nach und füllen dann die restliche Seite, indem sie den Großbuchstaben und den Kleinbuchstaben bunt mehrmals schreiben.

Wer damit fertig ist und es ordentlich gemacht hat, darf dann endlich an die geliebten Buchstabenstationen. Hier gibt es ja tausende Möglichkeiten, wie man diese Stationen aufbauen kann und auch ich wechsle das Angebot an Stationen immer wieder ab, damit es nicht langweilig wird. Ich versuche hierbei auch immer mehrere Sinne anzusprechen und es nicht rein auf das Schreiben der Buchstaben zu reduzieren. Aber seht einfach selbst:

Buchstaben nachspuren und legen mit unterschiedlichen Materialien:

Natürlich steht das Schreiben des Buchstaben im Vordergrund, deshalb gibt es einige Übungen, um das Aussehen und die Schreibweise des Buchstaben zu festigen. Zum einen dürfen die Kinder den Buchstaben auf großen Plakaten, an der Tafel oder auf dem Smartboard nachspuren. Für das Ii habe ich auch ein total süßes Nachspur-Spiel von der lieben Kollegin aus dem ersten Dienstjahr. Leider weiß ich nicht woher sie es hat. Für das Oo habe ich selbst eines nachgebastelt, da das Oo ein wenig an Luftblasen im Wasser erinnert, hat es ganz gut gepasst. Ihr könnt es euch hier herunterladen:

Aber auch das Legen des Buchstaben aus diversen Materialien (besonders toll ist es, wenn das Material mit dem entsprechenden Buchstaben anfängt wie zB. M aus Muscheln, aber auch Nüsse, Glassteinchen, Steine, Kastanien, etc. eignen sich dafür super) , macht den Kindern sehr viel Spaß. Besonders gerne formen sie den Buchstaben aus Knete. Auch das Schreiben des Buchstabens im Sand ist immer ein Muss. Mein persönlicher Favorit sind die Buchstabensuchsel. Hier müssen die Kinder auf jedes Feld mit dem gesuchten Buchstaben einen kleinen Glasstein legen und wenn sie alle finden, entsteht so der gesuchte Buchstabe.

Buchstaben hören – Laute zuordnen:

Auch zur Lautschulung haben die Kinder verschiedene Übungen zur Verfügung. Zum einen haben sie hier die klassischen Klammerkarten, in meinem Fall Karteien und Klammerkarten von Ideenreise und die Anlautscheiben von Grundschultante. Aber auch mit Bildkarten, mit deren Hilfe sie zuordnen, ob der Laut ein Anfangslaut ist (A), in der Mitte oder am Ende des Worte steht (a) oder ob er gar nicht darin vorkommt. (Link zu Bildkarten folgt)

Wörter lesen und schreiben

Inzwischen können die Kinder schon einige Wörter lesen und schreiben, sodass auch hier Stationen dazu entstanden sind. Sehr gerne arbeiten die Kinder zum Beispiel mit den Legesteinen. Die Idee habe ich schon in meiner Zeit als Nachmittagsbetreuung auf irgendeinem Blog gesehen und gleich nachgemacht. Nun kann ich sie endlich einsetzen. Zuerst suchen die Kinder den neu erlernten Buchstaben (in mehrfacher Ausführung) aus allen Buchstaben heraus und legen ihn in die Kiste mit den anderen Buchstaben, die sie schon schreiben können. Dann dürfen sie mit den Steinen Wörter legen, die sie schon schreiben können.

Besonders beliebt waren in meiner Zeit als Nachmittagsbetreuung die Brettspiele zum Erstlesen. Die Kleinen haben oft mehrere Runden gespielt und somit eine halbe Stunde lang mit viel Freude das Lesen geübt. Schon damals habe ich einige Spielbretter erstellt und nun für euch überarbeitet, sodass ich sie hochladen darf. Das Spiel ist recht simple und einige kennen diese Spielform vielleicht schon von anderen Materialien von mir: ein Spieler würfelt und rückt die gewürfelte Augenzahl nach vorne. Nun liest das Kind entweder das Wort das dort steht und hüpft zum dazugehörigen Bild oder sucht das Wort, wenn es auf einem Bild landet. Das Spiel geht dann immer so weiter, bis ein Spieler exakt im Ziel landet. Da man immer wieder kreuz und quer über das Spielfeld hüpft kann es schon eine Weile dauern, bis der erste Spieler im Ziel landet und die Kinder lesen oft Minutenlang, ohne es als „Leseübung“ wahrzunehmen und haben viel Freude dabei. Die Spielbretter findest du hier.

Buchstaben mit allen Sinnen erfassen

Um so viele Sinne wie möglich anzusprechen und sich nicht nur auf das sehen und hören zu beschränken, biete ich den Kindern ab und zu auch die Möglichkeit die Buchstaben zu fühlen, zu schmecken oder zu riechen. So kann man die Kinder zum Beispiel beim Erlernen des A einen Apfel verkosten lassen und Apfelsaft anbieten, für das O eignen sich Orangensaft und Oreo-Kekse, Lavendel beim L usw. Auch für das Fühlen gibt es Möglichkeiten. So kann man den Kindern Fühlbuchstaben zur Verfügung stellen, bei denen sie blind den erlernten Buchstaben aus einer Kiste oder einer Tasche ziehen müssen.

Buchstaben balancieren:

Um die Grobmotorik der Kinder anzusprechen und zu fördern, gibt es ebenfalls viele verschiedene Möglichkeiten. Die Stapelsteine sind bei uns in der Klasse ja sowieso der totale Hit und alle Kinder lieben es, die Buchstaben darauf nachzulaufen. Aber auch Springseil oder Kreppband funktionieren super, um den Buchstaben nachzugehen (vor allem ist er damit einfach viel einfacher am Boden zu schreiben).

Eine tolle Idee, die auch die Orientierung im Raum und die Wahrnehmung fördern, ist das Buchstaben stempeln im Gitter. Hier bekommen die Kinder ein Blatt mit einem leeren Gitter und einem, in dem einige Buchstaben vorgestempelt sind. Sie sollen nun das exakte Muster auf das leere Gitter übertragen. Die Übung kann man hier leichter oder schwieriger machen, indem die Kinder bei den Buchstaben auch auf Farben oder Groß- und Kleinbuchstaben achten müssen.

Mittwoch – Lautschulung, Lesen, erste Sätze

Last but not least: Am Mittwoch widmen wir uns dann der Lautschulung und auch schon ersten Sätzen lesen und schreiben. Die Übung zur Lautschulung ist ein fester Bestandteil unserer Buchstabenerarbeitung und die Kinder freuen sich immer darauf, denn dafür bekommen sie am Montag den Auftrag zuhause nach Dingen zu suchen, in denen sie den neu gelernten Buchstaben finden können. Am Mittwoch bringen sie diese Dinge dann in die Schule mit und gemeinsam ordnen wir sie im Sitzkreis dem entsprechenden Schild zu. Die Kinder präsentieren das schon ganz alleine. Wenn das Kind dran ist, schnappt es einen der Gegenstände, stellt uns vor, worum es sich dabei handelt und nennt die Position des Lautes. Manche Kinder bringen hier wirklich viele Dinge mit, wodurch viele Lautpositionen bestimmt werden können. Damit die Kinder belohnt werden, die daran denken etwas mitzubringen, trage ich es mir immer ein, wer etwas mitgebracht wird. So sind es zusätzliche Pluspunkte für diejenigen, die die Aufgabe erfüllt haben, ohne die Kinder zu bestrafen, die nichts mitbringen (da zwar die Selbstständigkeit der Kinder so trainiert wird, solche Dinge aber auch oft auf das Elternhaus ankommen). Hier könnt ihr die Schilder in diversen Farben herunterladen und ausdrucken:

Den Rest der Stunde nutzen wir dann um das Schreiben von Sätzen zu üben. Hier üben wir entweder mit den Schreibübungen im Buch, mit Arbeitsblättern oder diversen Bildkarten und Tafelmaterial wie meinem Tafelmaterial zu im und am. Hier versuche ich die Kinder auch schon sehr auf das eigenständige Arbeiten und Schreiben zu trainieren. Meisten machen wir nur die ersten ein bis zwei Sätze gemeinsam, bevor sie allein weiterarbeiten. Da ich eine Mehrstufenklasse habe, ist das eigenständige Arbeiten sehr wichtig um beiden Klassen einigermaßen gerecht werden zu können. Zum Glück klappt es ganz gut. Da ich in einigen Deutschstunden auch Unterstützung von der Freizeitpädagogin habe, schicke ich dann gerne einzeln Kinder zum Lesen, damit auch das nicht zu kurz kommt.

Und was ist jetzt mit Donnerstag und Freitag?

Wer sich jetzt fragt, womit wir uns die letzten beiden Tage im Deutschunterricht beschäftigen: Lernwörter, Rechtschreibung, Grammatik. Zurzeit widmen wir uns in diesen beiden Stunden dem Lernen neuer Lernwörter und freien Schreiben nach dem Prinzip von Marlene Walter. Später im Schuljahr möchte ich diese Tage dann auch für das Schreiben von ersten kurzen Geschichten aber vor allem auch Rechtschreibung und Grammatik nutzen zB. Einführung von Nomen gemeinsam mit dem Artikel, Übungen zur Unterscheidung b oder p und anderen weichen und harten Lauten und all diesen Dingen, die sehr wichtig für den Schriftspracherwerb sind und nicht zu kurz kommen sollen.

Habt ihr besondere Rituale bzw. Abläufe bei der Buchstabenerarbeitung? Oder tolle Ideen, die man bei den Buchstabenstationen, Buchstabenerarbeitung ergänzen kann? Lasst eure Ideen gerne in den Kommentaren unter diesem Beitrag da, damit wir uns von euren Ideen inspirieren lassen können 😊

 

 

Ich hoffe der kleine (lange) Einblick in meinen Deutschunterricht in der 1. Klasse hat euch einige neue Ideen und Inspirationen gebracht und konnte euch auch ein wenig helfen.

 

Alles Liebe

Kathi

Zurück

Kommentare

Kommentar von Cindy |

Weitere Idee: Buchstaben ausschneiden
(In Zeitschriften / Prospekten) ✂️

Kommentar von Grundschul Wolken |

Hey liebe Kathi. Ich habe mir deinen Blogbeitrag gerade durchgelesen und bin total begeistert, was du alles in einer Woche schaffst! Ich habe auch eine erste Klasse, das Arbeitstempo scheint aber deutlich langsamer zu sein. Wir erarbeiten montags den neuen Buchstabe der Woche an grobmotorischen Stationen (legen, nachspuren, nachlaufen usw.). Dienstags starten wir mit dem selbstständigen Arbeiten an den Stationen. Dabei gibt es bei mir immer 5 Stationen (u.a. übungen zum Heraushören der Lautstellung im Wort oder Suchbilder, sowie Bastelarbeiten und Übungen zum Schreiben. Daran arbeiten alle Schüler bis inklusive Donnerstag. Freitags arbeiten wir dann auch an anderen Dingen, wie Silben schwingen, Lesen, Reimen usw. Trotzdem kann ich nur sagen, Hut ab, was du da alles meisterst und danke für deine tolle Arbeit!

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Teile diesen Beitrag